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Die "Passat"

Die Passat

Seit 1960 ist auf dem Priwall, gegenüber der Altstadt, vor dem Seglerhafen, der Liegeplatz des Viermasters "Passat". Die "Passat" wurde nach dem Leuchtturm zum zweiten Wahrzeichen Travemündes. Ein Jahr zuvor war sie außer Dienst gestellt, nachdem 1957 die ähnlich gebaute "Pamir" gesunken war. Die Hansestadt Lübeck bewahrte sie vor dem Abwracken und holte sie nach Travemünde. Die "Passat" ist einer der legendären "Flying-P-liner", deren Namen alle mit P begannen. Die "Peking" ist heute in New York zu besichtigen, die "Padua" segelt heute als "Krusenstern" unter russischer Flagge und ist häufiger Gast in Travemünde. 1978 wurde die "Passat" als Beispiel deutscher Seefahrtsgeschichte unter Denkmalschutz gestellt.

Das "flying" steht für die unglaubliche Geschwindigkeit von 18 Knoten, die die "Passat" mit 4.600 Quadratmeter Segelfläche an ihren vier 56 Meter hohen Masten und Rahen dem Wind entgegenstellte.

Der britische Dichter John Masefield, der schon als 13jähriger zu See ging, schrieb: "Ich sah die Passat unter vollen Segeln im Kanal vorbeiziehn, und kein Zweifel, sie war das grandioseste Schiff, das jemals gebaut, und wundervoll zu sehen, wie das großartige Gebilde durch das Wasser glitt, man erwartete geradezu, dass es sich heraushob und zu fliegen begann. Ich beobachtete die Passat bis sie außer Sicht war, weil ich wusste, dass ich solch Anblick sie mehr erleben würde."

Die Passat

Damit allerdings wollen sich nicht alle Freunde der "Passat" abfinden. Als hunderttausende Schaulustige Ende der 90er Jahre das Schiff, zwar nicht aus eigener Kraft, sondern von Schleppern gezogen, über die Trave gleiten sahen, da glänzte in vielen Augen der Wunsch, das stolze Schiff möge wieder hinaussegeln und Botschafter Lübecks für die großartige Geschichte dieser alten Hansestadt werben. Es gründete sich ein Verein, der es sich zur Aufgabe machte, dieses Ziel zu erreichen. Aber die Hansestadt Lübeck, die mit dem Kauf der "Passat" einst soviel Weitblick bewiesen hat, lehnte ab.

Nun baut ein reicher Reeder eine Kopie, die wird dann über die Meere segeln. Die echte Passat wird bleiben, was sie seit über 40 Jahren ist: eine Begnungsstätte für junge Menschen und ein Wahrzeichen. Aber werden die neuen Planken und Wanten des Nachbaus jemals so wissend und sehnsüchtig im Wind jammern?


Die Geschichte der Passat von 1911 - 1959 in Kürze

März 1911 Beginn des Baus der Passat in der Hamburger Werft Blohm & Voss

September 1911 Stapellauf der Passat

November 1911 Ablieferung der seefertig ausgerüsteten Passat Preis: 680.000 Mark Die Patin war Frau Gertrud Grau und

der Taufspruch lautet:
" Der Sturm bedroht in der Nordsee den Segler. Dichter Nebel im verkehrsreichen Kanal bereitet Gefahr. Des Ozeans ganze Wucht trifft ihn in der Biscaya. Erst wenn der Wendekreis überschritten, zieht mit den vom Passat geschwellten Segeln das Schiff in schnellem Lauf seinem Ziele zu. Mögen günstige Winde Dich, Du stolzes Schiff, stets schnell und sicher in den schützenden Hafen geleiten.

Diesem Wunsche soll Dein Name Ausdruck geben.

Ich taufe Dich Passat."


Januar 1912 Antritt der ersten Reise nach Chile
Kommando: Kapitän Wendler
Die Passat erweist sich als vorzüglicher Segler. Von der Elbe kommend, erreicht die Passat auf der zweiten Reise Valparaiso nach 73 Tagen.

1914 Angesichts des 1. Weltkrieges verbleibt die Passat fast sieben Jahre im Hafen von Iquique

Mai 1921 Fortsetzung der Reise von Chile nach Marseille

Kommando: Kapitän Pieper
Dort wird die Ladung gelöscht und das Schiff aufgrund des verlorenen Krieges an Frankreich ausgeliefert. Diese haben jedoch keine Verwendung für die Passat und bieten sie zum Verkauf an.
Dezember 1921 Rückkauf des eigenen Schiffes an die Reederei Laeisz
Preis: 13.000 Pfund

Januar 1922 Offizielle Übernahme der Passat
Die Passat wird wieder in der Salpeterfahrt eingesetzt.

1927 Stolze Zeiten der Passat
- in 67 Tagen vom englischen Kanal nach Coral
- zurück in 75 Tagen Hinsichtlich der Rentabilität kann die Passat von keinem anderen Dampfer geschlagen werden.

August 1928 Kollision mit dem französischen Dampfer "Daphne"
In der Werft in Rotterdam werden die Schäden an der Passat repariert.

September 1928 Fortsetzung der Reise nach Chile

Juni 1929 Erneute Kollision, diesmal mit dem englischen Dampfer "British Governor" am Backbordbug der Passat

Das Schiff wird erneut nach Rotterdam zurückgebracht, um die Schäden zu reparieren.

Juni 1929 Die Passat kann wieder in See stechen
1932 Die schwere Weltwirtschaftskrise zwingt Laeisz die Passat zu verkaufen


Bis zum Ausbruch des zweiten Weltkrieges macht die Passat unter der Kontorflagge von Eriksen, ohne größere Havarien mit außerordentlicher Seetüchtigkeit und seglerischer Leistungsfähigkeit zum Wohle der Reederei, noch sieben Reisen nach Australien

August 1939 Die Passat geht auf der geschützten Reede ihres Heimathafens vor Anker

1944 Die Passat wird nach Stockholm geschleppt, um dort als Getreidespeicher zu dienen

Nach 1947 nur noch eine Reise unter finnischer Flagge Die Hoffnung, die Tradition des frachttragenden Tiefwasserseglers lebendig zu halten, geht mit dem Tod des bedeutenden Gustav Eriksen zu Ende. Die Passat wird verkauft und als Lagerraum an die englische Regierung verchartert.

1951 Ablauf der Charter. Die Passat soll in Antwerpen abgewrackt werden. Dies verhindert ein Mann, der sich mit Leidenschaft für große Segelschiffe einsetzt und darin seine Lebensaufgabe sieht: Kapitän Grubbe. Ihm gelingt es, den Reeder Heinz Schliewen von seiner Idee zu überzeugen. Dieser kauft die Passat auf.

Juni 1951 Einfuhr der Passat in Travemünde - Kommando: Kapitän Grubbe. Kurze Zeit später gründliche Überholung und Modernisierung der Passat in Kiel. Aus Kostengründen wird ein Hilfsmotor eines ehemaligen U-Boot-Diesels von 1000 PS eingebaut.

Februar 1952 Auslauf zur ersten Reise unter deutscher Flagge als frachttragendes Segelschulschiff mit 54 Kadetten an Bord nach Südamerika - Kommando: Kapitän Hermann Heuer

Dezember 1952 Zweite Reise von der Ostküste Südamerikas nach Aarhus/ Dänemark - Kommando: Kapitän Günther

Februar 1953 Konkurs der Reederei Schliewen Treuehändler: Kapitän Grubbe Passat wird nach Travemünde überführt

1957 Übernahme der Passat von einer von deutschen Reedern gegründeten Stiftung. Unter der Kontorflagge von Zerssen & Co. macht die Passat fünf glückliche Reisen nach Argentinien und Uruguay

1959 Die Passat wird endgültig außer Dienst gestellt

Das ist das Ende des frachtfahrenden Segelschulschiffes.
Noch im gleichen Jahr wird die Viermastbark Passat an die Hansestadt Lübeck verkauft. Seitdem liegt der stolze Tiefwassersegler als letzter Zeuge des Segelschiffszeitalters in Travemünde.